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«Unsere erste Motors-Place-Reise»

Es war soweit, die erste grosse MP-Reise stand vor der Tür. Wir hatten es tatsächlich geschafft, ein Datum zu finden, wo wir unser Unterfangen auf den Bikes unter die Räder nehmen konnten. Es sollte ins legendäre

«OILERS 69»

in Haiming im schönen Österreich gehen, aber dazu später mehr.   Was die Zahlen 13 und 12 bedeuten wurde zu Beginn der MP-Story erläutert, umso mehr waren wir erstaunt, dass unsere erste Reise unbewusst auf einen 12-ten und 13-ten August fiel! Ehrlich gesagt, bemerkten wir dies erst in Österreich, als wir beim Hotel ankamen.

Aber nun von vorne:

Wir versammelten uns um 9.30 Uhr im «Frässbalke» in Würenlos, wo ein erstes Stossgebet in Richtung Wettergötter gesprochen wurde. Unter uns gesagt, die Götter waren wohl keine Biker und gelinde gesagt, wettertechnisch eher suboptimal unterwegs. 

Bis auf einen der glorreichen 8, sollte dies für uns aber kein Hindernis darstellen, denn mit dem Zustand der Bikes und wetterfester Kleidung trotzten wir dem Wetter mit Regentauglichkeit. Wie gesagt, bis auf einen der 8, welcher sich ohne «Frontfender» dieser Herausforderung nicht stellen wollte. Kurz gesagt er verzichtete, sich die Fresse Sandstrahlen zu lassen und entschied sich, seiner Corvette die Reise zu gönnen und gleichzeitig unseren verletzten Kollegen zu chauffieren. Zusätzlich stellte sich seine Corvette noch als ausgesprochenes Raumwunder heraus, denn Rucksäcke, Jacken und sonstiges Equipment fand spielend Platz im Heck des Dampfhammers.

Nun konnte es also losgehen. Motiviert und mit einer gehörigen Portion Vorfreude, donnerten wir Richtung Chur.   Habe ich schon erwähnt dass Odin und sein vermutlich unehelicher Sohn Thor wohl von vielem eine Ahnung haben, aber sicherlich nicht vom Wetter.   Andererseits bescherten die beiden uns einen interessanten Besuch (Zwischenstopp) bei

«Bündner Bikes in Chur»

Für einige von uns der erste und gleichzeitig sehr eindrückliche Besuch. Ich denke man darf an dieser Stelle erwähnen, dass es sich bei Bündner Bikes um eine Manufaktur handelt, welche Männerträume wahr werden lässt und der Bikebau richtiggehend zelebriert wird!   Nach Wurst und Brot, Softdrinks und einem guten Kaffee ging es weiter Richtung Vereina-Autoverlad, wo die nächste, beinahe schon halsbrecherische Herausforderung auf uns wartete. Auf dem offenen Wagon, bretterten wir mit gefühlten 200 km/h durch den Tunnel, was alle dazu bewog, die Helme wieder zu montieren, da der Luftzug gigantisch war.

Zudem mussten wir leider die ersten Verluste verzeichnen, denn beim Versuch mit heruntergelassener Seitenscheibe aus der Corvette einige Schnappschüsse zu machen, verabschiedete sich Renés Baseballmütze in die Weiten des Tunnels. Nach der Durchfahrt von rund 20 Min. wurden wir auf der anderen Seite von trockenen Fahrbahnen und hervorragender Strecke empfangen, welche uns auf direktem Weg an den Reschensee führen sollte. Warum der Reschensee? Ich kannte die Geschichte bzw. die Tragödie um den Reschensee bislang nicht, deshalb hier ein kurzer, geschichtlicher Abriss:

«Die Tragödie vom Reschensee 1949 / 50»

Für die Stromerzeugung wurden die Dörfer Graun und Reschen (teilweise) und die uralten Weiler von Arlund, Piz, Gorf und Stockerhöfe (St. Valentin) unter Wasser gesetzt und ausgelöscht. Es entstand ein riesiger Stausee mit 677 Hektar, welcher eine fast tausendjährige Besiedlungsgeschichte und eine einmalige Kultur- und Naturlandschaft der Hochebene Reschenpass mit Gewalt vernichtete.

Im Jahre 1939 wurde das erste italienische Projekt aus dem Jahre 1920 zur Aufstauung der Naturseen (Reschen– und Mittersee) um 5 Meter durch die damals faschistische Regierung auf 22 Meter ( 17 Metern) abgeändert. Dies geschah ohne jegliche Information der Bevölkerung und ohne jegliche rechtliche bzw. ökologische Prüfung.       Die Einwohner wurden im „nationalen Interesse zur Stärkung der nationalen Industrie“ zwangsenteignet ohne Recht auf Realersatz und zur Aus- oder Umsiedlung gezwungen. Der Zweite Weltkrieg verzögerte die Bauarbeiten. Finanzierungsschwierigkeiten der Betreibergesellschaft nach Kriegsende wurden von Schweizer Kapitalgebern aufgefangen.

1949 musste der erste Winterstrom als Kapitalrückzahlung in die Schweiz geliefert werden. Südtirol und die betroffenen Gemeinden waren machtlos. Wegen des faschistischen Regimes hatten die Gemeinden von 1923 – 1952 keine gewählten Volksvertreter (Gemeinderat, Bürgermeister). Das Land Südtirol hatte erst 1948 eine gewählte Landesregierung.

Im Sommer 1950 waren die gesamten Gebäude gesprengt und überflutet, die Bewohner entweder zwangsausgewandert oder für 2 Jahre in ein Barackendorf umgesiedelt. Der romanische Turm aus dem 14. Jahrhundert wurde aus Denkmalschutz Gründen stehengelassen

In den Jahren nach 1973 hat die Südtiroler Landesregierung umfangreiche Sanierungsmaßnahmen    durchgeführt. Ca. 35 Hektar Kulturfläche sind mit Material aus dem Stausee zurückgewonnen worden.

Folgen waren: 70% der Bevölkerung sind aus- oder abgewandert, 181 Wohnhäuser und landwirtschaftliche Gebäude waren gesprengt, 514 Hektar Kulturfläche sind verloren gegangen, 70% weniger Nutztiere.                                                                     

Um eine geschichtliche Erfahrung reicher, musste nun erst Mal ein erster Hunger gestielt werden.   Dies erledigten wir im Restaurant Schlössel, wo der Name auch Programm ist, denn es handelte sich hierbei tatsächlich um ein kleines, schlossähnliches Gebäude direkt am See.

8 leckere Pizzen, stärkten uns für die letzte Etappe zu unserem Ziel in Haiming wo wir gegen 17 Uhr eintrafen.

Die letzten Meter führten uns direkt am OILERS 69 vorbei in die Hügel des Öztals, wo das wirklich geniale

«Ferien Schlössel Hotel»

mit verdienten 4 Sternen thront. Wir wurden freundlich empfangen und hatten noch etwas Zeit das hoteleigene Wellness-Angebot zu nutzen, bevor es um 19.15 Uhr zum lang ersehnten Abendessen ins OILERS 69 ging.

Dort angekommen mussten wir uns ehrfürchtig eingestehen, hier ist 2008 ebenfalls grosses entstanden. Angelehnt an die typisch amerikanischen Roadhouses, wurde innen wie aussen ein absolut stylisches Ambiente geschaffen.

Gefesselt von der Einzigartigkeit wird man förmlich zu einem Rundgang eingeladen und es gibt wirklich überall spezielle Details zu sehen.   Selbst im Verlaufe des Abends fielen einem immer wieder originelle Kleinigkeiten auf, welche gleichzeitig Ideen in uns weckten, dies oder das im MP zu übernehmen.

Leider fehlt uns der Platz um beispielsweise einen Nascar an die Decke zu hängen oder einen alten amerikanischen Rettungswagen in den Eingang zu stellen. Leider passt auch kein Truck wie man ihn aus den USA kennt auf unser Gelände. Oilers 69 nutzt einen derartigen Truck einfach mal kurz als Eventbühne. Ein weiteres erwähnenswertes Highlight sind die nostalgischen US-Cars, welche in Reih und Glied das Areal abgrenzen. Vermutlich könnte ich noch seitenweise, liebevoll ausgesuchte Gegenstände erwähnen und aufzählen, was den Rahmen aber definitiv sprengen würde.

Für uns war der besagte Abend ein Erlebniss der anderen Art, welches durch die amerikanische Küche also in unserem Fall 8x 300gr. vom besten Stück des Rindes (alles kleiner geschnittene gilt als Aufschnitt) noch zusätzlich untermalt wurde.

Wir ziehen respektvoll den Hut vor dem einige Jahre älteren, grossen Bruder unseres Motors-Place, welchen wir deshalb nicht weniger lieben und uns darin bestärkt, genau das Richtige getan zu haben.

Nach einer erholsamen Nacht, erwartete uns am Morgen ein Frühstücksbuffet der anderen Art, welches keine Wünsche offen liess. Gestärkt und voll von positiven Eindrücken vom wirklich gastfreundlichen Österreich wurde es Zeit die Heimreise anzutreten. Diese starten wir plangemäss um 10 Uhr.

Schlussendlich ging ein Ausflug, welcher keiner von uns missen möchte, ohne grössere Pannen oder Unpässlichkeiten gegen 14.30 Uhr wieder in der Schweiz zu Ende.      

 

Fortsetzung folgt…